Christian Poltéra ist offenbar ein kluger junger Mann. Der 32-jährige Schweizer hat schon früh erkannt hat, dass Erfolg über das Cover-Foto nicht von Dauer sein kann. Entsprechend schärft er sein eigenes Profil an der Musik, etwa indem er bis dato vor allem Werke des 20. Jahrhunderts eingespielt hat. Dabei setzt Poltéra voller Respekt auf eine aufgeweckte Zuhörerschaft: „Ich finde schon, dass man das Publikum unterschätzt, wenn man nur den Mut hat, Haydn und Dvořák zu spielen."
So steht denn auch in Berlin am 4. und 5. Dezember jeweils um 20 Uhr und am 6. Dezember um 16 Uhr im Großen Saal des Konzerthauses - neben Bruckners Siebter und Schumanns Ouvertüre zu Goethes „Faust"-Szenen, unter dem Dirigat von Mario Venzago - keiner der gern gebotenen und nicht selten überspielten Klassiker auf dem Programm, sondern das Cellokonzert von Frank Martin. Es ist rhythmisch ein ebenso klar konturiertes wie fesselndes Werk mit einer reich differenzierten, freitonalen Harmonik, das dem Solisten vor allem in den beiden ersten Sätzen reichlich Gelegenheit zur kantablen Entfaltung bietet.

Mario Venzago, Foto: Alberto Venzago
Dass Christian Poltéra das zu nutzen weiß, hat der ehemalige Schüler von Heinrich Schiff bereits auf seiner CD-Einspielung des Cellokonzerts bewiesen (BIS, 2008). Gleichzeitig bestätigt er damit aufs Schönste den Komponisten, der eindringlich warnte: „Hüten Sie sich vor einer Kunst, die sich jeder Menschlichkeit entäußert. Die abstrakte Kunst ist eine Kunst ohne Zukunft - und für mich auch ohne Gegenwart."
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