14.12.2009 08:55 Uhr

Händels „Messias“: Sternstunde der Menschheit

Neben „Carmina Burana" gilt Händels „Messias" als das bekannteste Vokalwerk der Klassik. Was die Frage aufwirft: Warum eigentlich? Liegt es tatsächlich an dem berühmtesten aller Jubelchöre, dem „Halleluja", das den zweiten der drei Teile des Werks beschließt? Sicher ist das nicht von der Hand zu weisen. Aber da gibt es noch mehr. Zu erleben am 17. Dezember um 20 Uhr im Großen Saal des Konzerthauses Berlin.

Das Werk erzählt die Heilsgeschichte Jesu von den urtümlichen Prophezeiungen bis zur Wiederkehr am Jüngsten Tag - und dieses auf so unwiderstehliche, mitreißende, alles umfassende Weise, dass man sich zumindest in England beim Halleluja ergriffen von den Sitzen erhebt. Das Werk wirkt vielleicht vor allem auch deshalb so authentisch und im Wortsinne unwiderstehlich, weil Händel beim Komponieren eine unfassbare Leidens- und Erfolgsgeschichte durchmachte: 1737 durch einen Schlaganfall halbseitig gelähmt, reist er mit letzter Kraft nach Aachen zur Kur - und kann tatsächlich geheilt werden.

Halbwegs gesundet, zurück in London, werfen ihn die Forderungen geprellter Gläubiger erneut zu Boden. Dann der Lichtblick: eine Sammlung aus Texten des Alten Testaments, die ihm sein Librettist Charles Jennens als Grundlage eines neuen Oratoriums schickt, welches Händel in nur drei Wochen in rasendem Eifer niederschreibt und das 1742 in Dublin uraufgeführt wird. Der Rest ist Geschichte.

Wenn das großartige Werk genau eine Woche vor Weihnachten von der Akademie für Alte Musik Berlin und dem RIAS Kammerchor im Konzerthaus Berlin aufgeführt wird, darf man sich also ganz nach Stefan Zweig auf eine der „Sternstunden der Menschheit" freuen.

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