12.12.2009 08:04 Uhr

Da hört man Eis brechen: Skandinavische Lehrstunde mit Sibelius, Grieg und Co.

Ab in den Norden - und seine überaus klaren Klangwelten, heißt es am 11. und 12. Dezember jeweils um 20 Uhr im Großen Saal des Konzerthauses Berlin. „Ein Abend der Nationalkomponisten" wäre dieses Konzertprogramm wohl im 19. Jahrhundert überschrieben worden. Nun mag die Suche nach nationaler Identität in Zeiten von EU und Globalisierung als ein Relikt aus längst überholten Zeiten gelten - dennoch pflegen die skandinavischen Tonsetzer bis heute eine ganz eigene Tonsprache.

Wer könnte also einen Abend mit berühmten Werken des finnischen Monolithen Jean Sibelius, dem populärsten Instrumentalkonzert des Norwegers Edvard Grieg sowie der „Schärensage" des Schweden Hugo Alfvén stimmiger dirigieren als ein Mann aus dem hohen Norden? Okko Kamu ist in Helsinki aufgewachsen. Als Autodidakt gewann er 22-jährig den ersten Dirigentenwettbewerb der Karajan-Stiftung 1969 in Berlin und gilt seither als einer der profiliertesten Verwalter des nordischen Musikerbes.

Die Werke seines Landsmannes Sibelius lässt er nicht selten anarchischer und ungezähmter erklingen als viele seiner mitteleuropäischen Kollegen. Da hört man Eis brechen, die Erde bersten und stellt fest: Diese Musik verträgt solchen Zugriff. Nur konsequent, dass in Griegs Klavierkonzert ein weiterer Skandinavier den Solistenpart übernimmt: Henri Sigfridsson, ein Finne, der 1995 mit gerade einmal 21 Jahren den großen skandinavischen Wettbewerb „The Nordic Soloist Competition" gewann.

Neben seinem kraftvollen, leuchtenden Spiel verfügt der Pianist indes über eine weitere solistische Fähigkeit: Er singt! Und zwar gleichzeitig, etwa bei Schuberts „Ständchen". Sigfridsson: „Es stellt für mich überhaupt keine Schwierigkeit dar, den Vokalpart und die Klavierbegleitung gleichzeitig zu übernehmen. Die Begleitung ist im Allgemeinen technisch nicht allzu schwierig ... und dann erlaubt diese ‚Symbiose' eine vollkommene Einheit zwischen dem Gesang und dem Klavier."

Im Konzerthaus Berlin wird sich Henri Sigfridsson auf die weißen und schwarzen Tasten konzentrieren und die breitwandigen Bilder des Klavierkonzerts a-Moll op. 16 zum Leben erwecken. Doch wer weiß: Die eingängigen Melodien regen zum Mitsummen geradezu ein.

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